„Religiosität und Virtualität – welchen Einfluss haben die Medien auf die religiöse Suche in Kindheit und Jugend?“

Vortrag Dr. Michaela Glöckler, Dornach / CH am 21.02.2019

Mit diesem Titel thematisierte Frau Dr. Glöckler  eine brisante sowie sehr aktuelle Problematik im gut gefüllten Großen Saal unserer Schule. Mit beinahe jugendlicher Frische trat sie vor ihr Publikum, welches zuvor feinfühlig von Peter Waller ins Thema eingeführt wurde.

Eindrücklich begann  Frau Dr. Glöckler mit einer Einleitung, in welcher sie erklärte, dass die Religiosität etwas ist, was sich in unserem Denken abspielt und so durch dieses eingeschränkt ist.

Mit großer Leidenschaft,  die aus ihrem enormen Wissen resultiert, erläuterte sie, wie sich das Denkvermögen eines Kindes Lebensjahr für Lebensjahr entwickelt. Als Basis legte sie die Tatsache, dass Rudolf Steiner von einer angeborenen bzw. im Kind bereits vorhandenen Religiosität  ausgeht. Nach Erfassung von Raum und Zeit und der Erkennung des Ichs folge die Bildung der Fantasiekräfte. Das Kind benötige hier keine Anstöße, es berge diese Kapazitäten in sich. Die Entwicklung benötige einzig und alleine das Verständnis der Eltern, die dem Kind die dafür benötigte Zeit gewähren müssen. Beschäftigt sich hier das Kind mit digitalen Medien, sei dies verlorene Entwicklungszeit – so die langjährige Kinderärztin – es erfolge eine Notreifung des Gehirns.

Bezüglich der religiösen Entwicklung erwähnte Frau Dr. Glöckler eine „religiöse Krise“, die ein Jugendlicher unpassender Weise im Konfirmandenalter (ca. 14 Jahre) durchlebe. Diese löse sich in einem weiteren Reifungsschritt, der Suche nach Spiritualität – einem gewissen Halt, mit 16 Jahren ab. Tritt nun an diese Stelle ein digitales Medium, erfülle dies diese Suche. Man könnte meinen die Suche gipfelt im verwandten Begriff der Sucht. Viele Menschen diesen Alters sind tatsächlich süchtig. Die Digitalisierung verdrängt die Spiritualität.

Im Versuch, ihre inneren Bilder nach außen zu tragen, rang Frau Dr. Glöckler um Worte. Sie verstärkte ihre Thesen mit Blicken in die Digitalisierung der Zukunft, die doch sehr abschreckend auf das gänzlich gefesselte Publikum wirkten. Sie appellierte nun an unsere großartige Fähigkeit des freien Denkens in Hinblick auf das Bild der  Verschmelzung von Mensch und Maschine, die nicht mehr fern läge. Auch wenn sie gleichsam die Vorzüge der Digitalisierung aufzeigte, wurde doch deutlich, dass sich so etwas wie ein gesunder Menschenverstand, unsere Moralvorstellung gegen die Auswirkungen dieser Entwicklung sträubt, ganz zu schweigen von der Verantwortung, die Eltern für ihre Kinder tragen: Medien dürfen nur von medienkompetenten  Menschen, also bestenfalls von Erwachsenen genutzt werden, um diese Kinder nicht in ihrer Entwicklung – der Suche nach Spiritualität – zu stören.

Sehr gekonnt beendete Frau Dr. Glöckler den rhetorisch brillanten Vortrag, um anschließend eine Gesprächsrunde zu eröffnen. Ausführlich und informativ stellte sie sich den Fragen. Dem Publikum blieb nichts als beipflichtend zu nicken und schließlich begeistert zu applaudieren.

Hannah Rebmann

 

Informationen können eingesehen werden unter:

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19.Mär.2019 21:52 Alter: 216 Tage